Das Derwisch-Kloster am Alindscha-Fluss

Die Geschichte des Klosters am Alindscha-Fluss geht laut Forschern in das 8.Jahrhundert zurück. Das ist jedoch nur eine Vermutung. Bei der Restaurierung wurden im Kloster viele Steininschriften gefunden. Die meisten davon stammen aus dem 15.Jahhundert. Kurz davor, im Jahr 1401, war der bekannte Philosoph Fazlallah Naimi auf Befehl von Miranschah auf grausame Weise hingerichtet worden.

Nach Naimis Hinrichtung wurden Gerüchten zufolge die Überreste seiner Leiche von seinen Anhängern gesammelt und am Alindscha-Fluss beigesetzt. Und drauf wurde sein Grabmal aufgestellt. Einer der berühmtesten Scheiche des Klosters ging persönlich zu Emir Timur und bat ihn um die Erlaubnis der Bestattung von Naimi.  

Nach einer anderen Legende wurden aber die Überreste seiner Leiche ohne das Wissen der Soldaten von Timur nach Chanegah gebracht und dort bestattet. Als die Soldaten davon hörten, stellten sie sich ihnen sofort in den Weg, um sich zu vergewissern, wer im Sarg lag. „Das sei der Leichnam des Scheichs von Chorosan", antworteten sie. Da Chorasan damals das Zentrum des Wissens und der Kultur war, wurden sie von Soldaten nicht so lange aufgehalten. Daher nannte man das Kloster auch „Scheich-Chorasani".

Nach Naimis Tod wurde dieser Ort zu einem Pilgerort. Einige Wissenschaftler meinen, dass Naimi nicht an diesem Ort beigesetzt worden ist. Bei den Restaurierungen und Forschungen zum Kloster wurden jedoch drei Steine und ein Grabmal von Naimi gefunden. In die Steine waren die Gedichte graviert. Die Gedichte wurden Naimi vom bekannten Hurufi-Dichter Nasimi gewidmet und enthielten viele Hurufi-Symbole wie „Die Sonne der Religion" und „Granatapfelblumen". Die Gedichte schildern außerdem den Hinrichtungsort von Naimi.

Das Kloster wurde mithilfe der im Buch „Dschavidname" enthaltenen mathematischen Formeln errichtet. In der Nähe des Klosters liegt auch eine Moschee. Sie wurde im Auftrag von Chanbike Khatun, der Tochter eines Anhängers von Fazlullah Naimi, im 15.Jahrhundert errichtet. Um die mysteriösen sufistischen Symbole im Kloster aufklären zu können, muss man sich erst mit „Dschavidname" vertraut machen. Im Kloster wurden einige Steine aufgefunden, in denen man zahlenmäßige Darstellungen zur Hurufi-Lehre erkennen kann. Auf den Steinen sind außerdem viele mathematisch präzise Darstellungen der Einteilung der Zeit in Jahre, Monate und Tage zu finden.

Zu Ehre von Chanbike Khatun wurden im Kloster Steinblöcke mit Inschriften aufgestellt. Am Rand der Inschriften kann man die Sonnendarstellungen und ca. 24 Dreiecke sehen. Die Dreiecke sind übrigens von geraden Linien, die Sonnenstrahlen kennzeichnen, durchzogen. All diese präzisen Darstellungen haben ihren Ursprung selbstverständlich im Buch „Dschavidname".  

Emil Nuri

 

 

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